Fotos: Bernd und Fabian Schnieders, Jörg Derlien
Um einen Hauch vom Alpin-Feeling zu bekommen tut man sich in der Eifel-Mosel Region schon ziemlich schwer. Weit verstreut gibt es zwar einige Klettergärten, doch sind dies meist einzelne Felsen oder alte Steinbrüche. Eine alpine Attraktion haben wir seit 2001 nun doch. Einen Klettersteig!

Sicher ist dieser Klettersteig, durch Europas steilsten Weinberg, nicht vergleichbar mit einem im Gebirge, doch verspürt man hier den oben genannten Hauch vom Alpin-Feeling. Irgendwo hatte ich in diesem Zusammenhang vom Begriff „Bonsaialpenismus“ gelesen. Passt doch!

Wie schon erwähnt führt dieser Steig durch den steilsten Weinberg in Europa, dem Calmont.. Frei übersetzt heißt dieser Bergriff „heißer Berg“, was an sonnigen Tagen wörtlich zu nehmen ist und man genügend Flüssigkeit mitnehmen sollte.
Der Calmont liegt zwischen den beiden Moselortschaften Bremm und Eller und kann von beiden Orten aus begangen werden.
Laut Wetterbericht sollte der 24.10.2004 der letzte sonnige Tag in diesem Jahr werden und so beschlossen wir noch einmal den Klettersteig zu begehen. Insbesondere Dieter, wollte seine neue Ausrüstung, Schuhe und Rucksack, testen. Aus Solidarität nahmen wir alle unser komplettes Equipment mit; Seil, Stöcke und sonstige Hardware inbegriffen. Wir fuhren den Parkplatz hinter der Kirche in Bremm an um von dort die Tour zu starten. Schnell merkten wir, das viele andere auch den Wetterbericht gelesen hatten, folglich wurde es ziemlich eng auf dem schmalen Pfad. Beim Einstieg wird man zuerst über die Gefahren des Weges aufgeklärt. Eine gewisse Grundkondition,Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man besitzen. Der Weg wurde von den beiden Orten Bremm und Eller in Zusammenarbeit mit dem DAV-Koblenz mit Leitern, Drahtseilen und Stiften präparieren. Gurt und Klettersteig-Set sind aber nicht erforderlich; gutes Schuhwerk reicht aus. Zuerst geht es einige Minuten gemütlich durch die Weinberge bis man zu den ersten Felsabschnitten kommt. Der Weg geht nun immer bergauf/bergab und schnell wird es einem warm. Direkt neben dem schmalen Weg geht es steil abwärts und stellenweise hat man Probleme die entgegenkommenden Wanderer durchzulassen.
Der Calmont - noch keine Wegführung zu erkennen
Zuerst noch ganz locker
Man kommt vorbei an der Beschilderung „Gipfelkreuz“, doch lassen wir den Abzweig links liegen, da der Rest der Gruppe das Kreuz auf dem Rückweg über den „Calmont Höhenweg“ mitnehmen möchten. So gegen Mittag wird es dann richtig warm und wir wandern durch die ersten bizarren Bestände aus Buchs, Felsenbirne und Moselahorn (Acer monspersolanum). Hier kommen nun auch die mit Drahtseilen und Stiften gesicherten Passagen bis man zu den ersten Leitern gelangt. Vorbei an der "Bremmer Todesangst" kommen wir zu einem größeren Rastplatz mit Tischen und Stühlen. Dort legen auch wir eine Pause ein. Nach der Rast geht es nun wieder gemütlich auf dem Pfad weiter bis wir zum Abzweig „Eller Todesangst“ kommen.
Kurz vor der ersten Leiter...
...und los gings.
Nun verlassen wir den Weg des eigentlichen Klettersteigs und nehmen den steilen Anstieg zur "Todesangst" in Angriff. Diese steile und anstrengende Passage ist nach ca. 10 min. geschafft und man steht auf einem herrlichen Felsvorsprung hoch über der Mosel. Hier trennte ich mich von der Gruppe, da ich den Klettersteig gerne komplett durchsteigen wollte. Während der Rest der Truppe über den Höhenweg zurückgehen wollten, machte ich den Abstieg über das Ellerbach-Tal bis zur Schutzhütte auf der Galgenlay.
Die "Eller Todesangst"
Hier beginnt der Klettersteig nun unterhalb der Todesangst in Richtung Bremm. Und es geht auch gleich zur Sache. Um auf die Durchschnittshöhe des Weges zu gelangen, folgen hier die steilsten Kletterpassagen. Es folgte leichtes(!) Blockklettern und an einer Stelle mußten 3 Leitern hinter einander angebracht werden um eine senkrechte Wand zu überwinden. Leider zeigte sich hier, das einige Personen auf diesem Abschnitt überfordert waren und die Warnschilder anscheinend nicht ernst genommen hatten. Für diese Personen wurde dieser Abschnitt zur Zitterpartie. Dies hatte natürlich auch zur Folge, das sich vor den Kletterpassagen lange Staus bildeten.
Die Anderen bei Ihrer Rast am Gipfelkreuz
Bei zunehmender Hitze und vollem Gepäck war dies nicht gerade angenehm. Aber ich hätte ja auch mit den andern den Höhenweg gehen können. Also selbst Schuld! Doch die leichte Blockkletterei rechtfertigte für mich mein Unternehmen. Als ich dann endlich alle Kegelclubs überholt hatte, ging es nach der letzten Leiter wieder zügig zum Ausgangspunkt unserer Tour. Beim Abzweig zum Gipfelkreuz stieß auch wieder der Rest der Gruppe zu mir. Perfektes Timing! Nach insgesamt 3:15 Stunden waren wir alle wieder am Auto.

Fazit: Schöner Steig mit leicht alpinem Charakter, den man nach Möglichkeit nicht in der Mittagssonne begehen sollte. Wir sind diesen Weg schon einmal früh morgens gegangen, dies erwies sich im Bezug auf Temperatur und Betrieb als wesentlich günstiger.

Auf meinem Rückweg, leichte Kletterei unterhalb der "Todesangst".
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